Jedes Jahr erkranken alleine in Deutschland ca. 4.000 Menschen an Leukämie. Die Ursachen für diese Erkrankung, die jeden treffen kann, sind bis heute weitgehend unbekannt. Unter normalen Umständen gibt es hierzu keine erkennbare Veranlagung.
Die Knochenmarkspende ist hierbei die Behandlungsmethode, die momentan die höchsten Erfolgsaussichten bei der Behandlung von Leukämiekranken bietet. Trotzdem ist das Interesse in der Bevölkerung, für eine Knochenmarkspende zur Verfügung zu stehen, immer noch gering.
Worin liegt dies aber begründet?
Läßt man den Fall außer Betracht, daß hier eine bewußte unterlassene Hilfeleistung vorliegt, kann es sich nur um Angst vor dem "Eingriff" handeln oder ein Informationsdefizit. Dieses kann sich hierbei auf die Situation der Erkrankten und das Krankheitsbild oder aber die Behandlungsmethode beziehen.
Leukämie äußert sich in einer starken Vermehrung von unreifen und damit funktionsunfähigen weißen Blutkörperchen. Hierdurch werden zusätzlich die roten Blutkörperchen verdrängt. Als Resultat kommt es u.a. zu Blutarmut und Infektionen. Infolgedessen kommt es in vielen Fällen zum Tode des Patienten.
Um die fehlerhafte Überproduktion der defekten weißen Blutkörperchen zu stoppen, werden verschiedene Verfahren angewandt. Ansatzpunkt in allen Fällen ist das Knochenmark als Produzent der defekten Blutkörperchen.
Häufigste Behandlungsmethode ist immer noch die Chemotherapie, die für den Patienten allerdings sehr belastend ist. Hinzu kommt, daß die Chemotherapie oft nur als Übergangslösung angesehen werden kann, da in der Regel nicht alle Krebsbefallenen Zellen entfernt werden können. Eine wiederholte Anwendung ist also erforderlich.
Die erfolgversprechendste Methode stellt aber die Knochenmarktransplantation dar.
Der Begriff "Knochenmark" liefert hierbei aber sicherlich oft den Grund für eine große zusätzliche Unsicherheit auf Seiten von potentiellen Spendern. Zu oft wird hierbei das Knochenmark mit dem Rückenmark verwechselt oder gar gleich gesetzt. In Wirklichkeit handelt es sich aber beim Rückenmark um einen Teil des Nervensystems, welches nicht transplantierbar ist.
Das Knochenmark hingegen befindet sich im Inneren der großen Knochen des Körpers, vor allem des Hüftknochens und des Oberschenkels. Im Knochenmark werden alle Zellen des Blutes und des Immunsystems ständig neu gebildet. Dies ist nötig, da die meisten dieser Zellen nur eine relativ kurze Lebensdauer von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen haben.
Das Knochenmark selber bildet sich dabei auch ständig neu, so daß es bei einem Gesunden nie zum Engpaß kommen kann.
Bis vor einigen Jahren erfolgte die Entnahme des Knochenmarkes ausschließlich aus dem Beckenknochen. Seit ca. vier Jahren wird aber auch die periphere Stammzellentnahme durchgeführt.
Hierbei werden unter Wegfall der Narkose und des Krankenhausaufenthaltes ein Teil der Blutstammzellen direkt aus dem Blut entnommen. Die übrigen Bestandteile fließen während der Entnahme ständig über eine andere Armvene zurück. Dieser Vorgang dauert nur drei bis vier Stunden.
Bleibt als Argument die Angst vor dem Eingriff und dem damit verbundenen Risiko.
Das Risiko bei der direkten Entnahme aus dem Beckenknochen beschränkt sich im wesentlichen auf das Narkoserisiko. Da für die Transplantation nur gesunde Spender in Betracht gezogen werden, ist das Narkoserisiko statistisch gesehen vergleichbar mit dem Risiko, innerhalb der nächsten Wochen Opfer eines schweren Verkehrsunfalls zu werden. Ansonsten können natürlich an den Folgetagen leichte Beschwerden in Form von Wundschmerz auftreten, die in der Regel aber nicht als gravierend erfahren werden.
Bei der peripheren Stammzellenentnahme entfällt sogar das Risiko der Narkose. Hier können jedoch die Medikamente, die die Trennung der Stammzellen ermöglichen, oft Beschwerden auslösen , wie sie als Kopf- und Gliederschmerzen während einer Erkältung auftreten. Über langfristige Nebenwirkungen der Medikamente liegen allerdings erst eingeschränkte Erfahrungen vor. Dies ist auch der Grund dafür, daß routinemäßig immer noch die Entnahme aus dem Beckenknochen eingesetzt wird.
Dies mag Personen, die schon beim bloßen Anblick einer Spritze ohnmächtig werden, wenig beeindrucken. Dies vermögen aber vielleicht ein paar Zahlen.
Die Wahrscheinlichkeit der für die Transplantation notwendigen Übereinstimmung der Gewebemerkmale ist sehr gering. Für die Typisierung werden drei Genorte (HLA-A und HLA-B und HLA-DR) betrachtet. Für jeden davon gibt es in grober Auflösung zwischen 10 und 50 verschiedene Merkmale. An jedem Genort besitzt ein Mensch in der Regel zwei Merkmale, jeweils eines von der väterlichen und eines von der mütterlichen Seite. Schon damit ergeben sich theoretisch Millionen verschiedener Kombinationsmöglichkeiten.
Die Wahrscheinlichkeit auf eine Übereinstimmung beträgt beim häufigsten Gewebetyp lediglich 1:100.
So ist auch zu erklären, warum trotz der z. Zt. beim weltweit zweitgrößtem Zentralen Knochenmarkspender-Register in Ulm registrierten über 1,1 Millionen typisierten Spender (Stand Mai 1999), lediglich für 60 % der Patienten ein geeigneter Knochenmarkspender gefunden kann.
Weitere 20 % der Patienten finden einen Spender im Ausland, vor allem den USA. Dort gibt es auch das größte Register der Welt mit knapp 2,5 Mio. Spendern. Weltweit sind ca. 5,7 Mio. typisierte Spender registriert.
Die niedrige Wahrscheinlichkeit einen passenden Spender zu finden spiegelt sich auch darin wieder, daß lediglich 1 % der zur Spende bereiten Personen innerhalb von 10 Jahren nach der Typisierung wirklich aufgrund einer ausreichenden Übereinstimmung der Gewebemerkmale für eine Transplantation in Frage kommen.
Oder sollte der Grund doch vielmehr in der Bequemlichkeit der Menschen liegen?
Ich betone an dieser Stelle nochmals: Leukämie beruht weder auf Veranlagung, noch betrifft sie nur Randgruppen. Sie kann jeden treffen.
Der Aufwand für die erste Typisierung ist gering. Lediglich 10 ml Blut werden entnommen. Der nicht benötigte Teil dieser Entnahme wird eingefroren, und für weitere Typisierungsstufen aufbewahrt, so daß für die nächsten Schritte keine weitere Blutentnahme notwendig ist.
Sollte eine Knochenmarkspende aufgrund medizinischer Indikation nicht möglich sein, kann man trotzdem helfen. Die Typisierung der Gewebemerkmale, die idealerweise zur Beschleunigung des Suchvorgangs zumindest bis zur zweiten Stufe ohne besondere Anfrage durchgeführt werden sollte, kostet Geld. Geld, daß seit einigen Jahren nicht mehr durch Forschungsgelder abgedeckt werden kann. Eine Finanzierung über Spender ist somit unumgänglich.
Ziel muß sein, daß 100 % der Patienten, einen passenden Spender finden.
Durchgeführt werden solche Typisierungen u.a. von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei), die mit aktuell 596.000 Spendern den größten Anteil am Knochenmarkregister in Deutschland hat.
Natürlich habe ich auch noch ein paar weiterführende Links gesammelt. Auf diesen Seiten werden detaillierte Informationen geboten.